Schwanger auf die Malediven? Im sechsten Monat zum Geschäftstermin nach London? Oder vor der Niederkunft noch mal die Oma in Ohio besuchen? Viele werdende Mütter sind sich unsicher, ob und unter welchen Umständen sie eine Flugreise planen können.
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen spricht nichts dagegen. Ganz wichtig: Trotzdem sollte jede Schwangere zuvor unbedingt ihren Frauenarzt fragen, ob es aus ärztlicher Sicht in Ordnung ist, den Flug anzutreten. Und sie sollte sich sehr gut überlegen, wie dringend die Flugreise wirklich ist. Denn einige Experten äußern auch generelle Bedenken, was Flugreisen während der Schwangerschaft angeht:
Manche raten beispielsweise davon ab, in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu fliegen: Das Risiko einer Fehlgeburt sei erhöht, weil die Atemluft im Flieger weniger Sauerstoff enthalte. Renate Huch, ehemals Professorin für Gynäkologie an der Universitätsklinik Zürich, forschte intensiv zu diesem Thema. In einer Studie aus dem Jahr 2001 schickte sie zehn Schwangere auf 20 Flüge und überwachte dabei die Lebenszeichen der Ungeborenen. Das Ergebnis: „Bei der aufgezeichneten Herzfrequenz der Kinder gab es keine Reaktion, die auf Sauerstoffmangel hindeutete“, sagt sie. „Und die flugtechnisch-medizinischen Fakten haben sich bis heute nicht geändert.“ Sie hält die Warnung deshalb für übertrieben.
Ein anderer häufiger Einwand ist, dass die kosmische Strahlenbelastung im Flieger erhöht sei. „Sie liegt, wenn man täglich fliegen würde, um 50 Prozent höher als die durchschnittliche jährliche Strahlendosis am Boden“, erklärt Huch. „Ein Einzelflug beträgt einen Bruchteil dieser zusätzlichen Belastung. Strahlenexperten sind der Meinung, dass diese Dosis, wenn überhaupt, nur ein theoretisch zu diskutierendes Risiko fürs Baby darstellt.“ Denn ob die Strahlenbelastung für die Schwangere im Flieger höher ist als zu Hause, hängt auch davon ab, wo die werdende Mutter wohnt. Die tatsächliche Belastung am Boden schwankt von Gebiet zu Gebiet stark. Wie hoch sie ist, hängt zum Beispiel von den Gesteinsarten ab, die in der jeweiligen Gegend vorkommen. Ist sie vergleichsweise hoch, kann sie die Strahlenbelastung, die bei einem Flug entsteht, übertreffen.
Einig sind sich die Experten hingegen darüber, dass Fliegen für Schwangere die Gefahr einer Thrombose erhöht. Daher sollten werdende Mütter im Flieger Kompressionsstrümpfe tragen, um das Risiko zu senken. „Es sollten unbedingt Strümpfe der Klasse 2 sein,“ sagt Huch. „Sie schützen sehr gut vor geschwollenen Füßen am Ende des Fluges".
Aus medizinischer Sicht gibt es laut Huch nur wenige Umstände, unter denen ein Flug negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Ungeborenem haben könnte. In einigen Fällen sollten Schwangere allerdings auf keinen Fall fliegen: Zum Beispiel gilt das bei einer Hochrisikoschwangerschaft, wenn etwa eine Placenta praevia oder massive Herz- und Kreislaufbeschwerden vorliegen. Ist die Frau akut thrombosegefährdet, leidet sie unter großer Flugangst, steht der Entbindungstermin kurz bevor oder droht eine Frühgeburt, ist von einer Flugreise ebenfalls abzuraten. Hatte die Schwangere schon einmal einen Abgang oder eine Frühgeburt, sollte sie auf den Flug verzichten. Doch auch, wenn keiner dieser Risikofaktoren vorliegt, sollte die Schwangere vor der Reise unbedingt ihren Frauenarzt konsultieren.
Und nicht nur auf den Gesundheitszustand der werdenden Mutter kommt es an – auch die Bestimmungen der Fluggesellschaft können ihr einen Strich durch die Reisepläne machen: Nicht alle Airlines nehmen Frauen mit Babybauch zu jedem Zeitpunkt in der Schwangerschaft mit. Der Dachverband der Fluggesellschaften, IATA (International Air Transport Association), empfiehlt seinen Mitgliedern, Schwangere nach der 36. Woche höchstens noch nach Vorlage eines ärztlichen Attests zu befördern, das die Flugtauglichkeit der Frau bescheinigt. Laut Huch soll das die Unternehmen vor Kosten und Risiken schützen, die bei einer Geburt an Board entstehen könnten.
Die Beförderungsbedingungen der einzelnen Fluggesellschaften fallen dann aber häufig strenger aus: Viele Airlines nehmen Schwangere ab der 34. oder 36. Woche nicht mehr mit. Manche Gesellschaften verlangen schon viel früher – einige bereits ab der 28. Woche – ein entsprechendes Attest von einer Hebamme oder einem Arzt. Bei Mehrlingsschwangerschaften ist in vielen Fällen das Mitfliegen schon ab der 32. Woche nicht mehr möglich. Erkundigen Sie sich deshalb am besten rechtzeitig vor der Reise über die jeweiligen Bestimmungen der Airline und führen Sie das ärztliche Attest, falls erforderlich, im Handgepäck mit.
Neben den Beschränkungen der Fluggesellschaften sind auch spezielle Einreisebestimmungen einiger Staaten ein mögliches Reisehindernis für Schwangere: Manche Länder lassen werdende Mütter ab einem bestimmten Schwangerschaftsmonat nicht mehr einreisen. Das gilt zum Beispiel für die USA, wo das Kind automatisch die dortige Staatsbürgerschaft erhielte, wenn es während des Aufenthalts geboren würde. Andere Länder, wie beispielsweise Singapur, verlangen bereits ab dem 6. Monat ein ärztliches Attest sowie einen sogenannten „Social Visit Pass“, den man im entsprechenden Konsulat beantragen muss. Schwangere sollten sich deshalb auch über die Einreisebestimmungen im jeweiligen Land rechtzeitig erkundigen.
Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de;
12.09.2008, aktualisiert am 07.02.2012
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